In der WiRschaft Usinger Land möchten wir uns auf Augenhöhe begegnen und Gemeinschaftlichkeit bei gleichzeitiger individueller Selbstbestimmung praktizieren. Dazu wenden wir verschiedene Sozialtechniken an, die im Folgenden kurz dargestellt werden. Die Aufzählung kann nicht vollständig sein, da die WiRschaft Usinger Land als lebendiges, soziales Experimentierfeld gedacht ist, das durch die teilnehmenden Menschen permanent geformt und auch verändert werden kann. Daher konzentriert sich die folgende Darstellung auf die zentralen Sozialtechniken, die bei der Gründung der WiRschaft im Fokus standen.

 

Sozialtechniken zur Güterverteilung

Die folgende Abbildung stellt die Sozialtechniken zur Güterverteilung dar, die in der WiRschaft Usinger Land angewendet werden. Hauptsächlich wird Beteilen nach Zeit praktiziert. BI ist die Abkürzung für den Beteiligungsindikator, der die individuelle, zeitliche Beteiligung an der WiRschaft im vergangenen WiRschaftsjahr ausdrückt.

Beteilen nach Zeit ist eine spezielle Form des Beteiligens und Teilens. Beteilen und Teilen ist eine uralte Sozialtechnik zur Güterverteilung, die heute noch meist bei der gemeinsamen Haushaltsführung etwa in Kernfamilien und Wohngemeinschaften praktiziert wird. Da uns für diese aus zwei Tätigkeitsarten zusammengesetzte Sozialtechnik keine Bereichnung bekannt ist, verwenden wir dafür in der WiRschaft die Bezeichnung "Beteilen", die aus der Zusammenführung der beiden Worte Beteiligen und Teilen entstanden ist. Beteilen nach Zeit ist eine Form des Beteilens, bei der die Güterverteilung proportional zum zeitlichen Beteiligungsanteil erfolgt.Vertiefende Informationen dazu sind unter dem Menüpunkt Beteilen verfügbar.

Schenken mit Gruppen-Dank ist eine Sozialtechnik, die wir in der WiRschaft im Zusammenhang mit dem WiR-Wohl anwenden. Dabei beschenken eine oder mehrere Personen direkt eine oder mehrere andere Personen aus der WiRschaft Usinger Land mit ihrer/n Tätigkeit/en. Da wir in der WiRschaft direkte Gegenseitigkeit und damit individuelle Schuld vermeiden möchten, sollten die empfangenden Personen auf ein Gegengeschenk (direkte Gegengabe) verzichten. Sie kommen gegenüber den gebenden Personen auch nicht in Schuld, da diese sich ihren Tätigkeitsaufwand in ihrer WiR-Wohl+Extern-Stunden-Liste aufschreiben können, wodurch ihr Beteiligungsindikator (BI) und damit ihr Anteil am Gesamtgruppenergebnis ansteigt, was wir als Gruppen-Dank bezeichnen.

Anonymes Beschenken bezeichnet Schenkvorgänge, bei denen die Beschenkten nicht wissen, wer die Schenkenden waren. Anonymes Beschenken eines Individuums kann in der WiRschaft erfolgen, indem ein Geschenk in die Beteilkiste eines WiRis gelegt wird. Anonymes Beschenken der Gruppe passiert durchs Einlegen von Geschenken in das Auswahlregal. Dies ist, von der Bestückung des Auswahlregals übers Beteilen nach Zeit zu unterscheiden. Dabei ist zu beachten, dass das Auswahlregal nur mit Gütern bestückt werden darf, die innerhalb der WiRschaft hergestellt wurden. Güter aus externer Produktion (z. B. Industrieprodukte) können innerhalb der WiRschaft nicht anonym verschenkt werden. Sie können aber mit Hilfe einer Anzeige in der Rubrik WiR-Verschenken im WiR-Anzeiger offen verschenkt werden.

Anonymes Schenken bezeichnet Schenkvorgänge, bei denen keiner weiß, wer wen beschenkt hat. In der WiRschaft kann dies praktiziert werden, indem ein in der WiRschaft hergestelltes Gut in des Schenkregal gelegt wird. Wie das Auswahlregal darf auch das Schenkregal nur mit innerhalb der WiRschaft hergestellten Gütern bestückt werden. Güter aus externer Produktion (z. B. Industrieprodukte) können innerhalb der WiRschaft nicht anonym verschenkt werden. Sie können aber mit Hilfe einer Anzeige in der Rubrik WiR-Verschenken im WiR-Anzeiger offen verschenkt werden.

Anonymes Tauschen bezeichnet Tauschvorgänge, bei denen unbekannt bleibt, wer miteinander getauscht hat. In der WiRschaft hergestellte Güter können übers Auswahlregal anonym getauscht werden, indem eine Portion eines Gutes eingelegt und im Gegenzug eine Portion eines anderen Gutes entnommen wird.

 

Weitere Sozialtechniken

Neben den wirtschaflichen Sozialtechniken sind auch noch die Sozialtechniken zur Kommunikation und Entscheidungsfindung sehr wichtig für ein gutes Gelingen des WiRschaftens:

Dialog

Der Begriff des Dialogs wird in unserer Gesellschaft allgemein für den Austausch zwischen unterschiedlichen Menschen und Gruppierungen benutzt. Nach David Bohm/Martin Buber ist er eine Form, die sich deutlich von der des uns vertrauten Gesprächs unterscheidet und sich vor allem von der Diskussion abgrenzt.

Der Dialog schafft einen Raum, in dem wir

  • die Sichtweisen anderer kennen lernen,
  • Sichtweisen als verschieden u n d gleichwertig wahrnehmen,
  • die Herkunft unserer eigenen Standpunkte erkennen,
  • als Lernende Offenheit für die Sichtweisen anderer aufrechterhalten,
  • entschleunigen und uns auf echtes Zuhören einlassen,
  • anfangen, gemeinsam zu denken,
  • Verbindung spüren und Verbundenheit entwickeln.

Zehn Haltungen bzw. Kernfähigkeiten für einen gelingenden Dialog werden auf der Website der "Pioneers of Change" aufgelistet.

Konsent

Als Entscheidungsmethode soll der Konsent die Garantie für die Gleichwertigkeit aller Teilnehmenden einer Gruppe bei der Beschlussfassung bilden. Das Konsentprinzip ist die Übereinkunft darüber, dass das Prinzip von „kein schwerwiegender und begründeter Einwand” die Beschlussfassung regiert. „Regiert“ meint, dass Beschlüsse auch auf andere Weise als per Konsent getroffen werden können, allerdings nur, wenn darüber mit Konsent entschieden wurde. „Schwerwiegend“ bezieht sich auf den Toleranzbereich, das heißt die Begrenzungen jedes einzelnen Teilnehmenden und der Umgebung. Mensch muss nicht einer Meinung sein, welche die beste Lösung ist – eine Lösung innerhalb des Toleranzbereichs reicht aus. „Begründet“ bedeutet, dass Konsent kein Vetorecht ist. Konsent bedeutet das Recht, seinen Einwand zu begründen. Alle Mitglieder werden gehört, Meinungen und Einwände werden integriert und dann im Einverständnis beschlossen. Entscheidungen können somit von allen nachvollzogen und mitgetragen werden.

Eine vergleichende Betrachtung des Konsent mit dem Konsens, der Mehrheitsentscheidung und dem systemischen Konsensieren kann dem Artikel "Gruppenentscheidungsverfahren für Teams" entnommen werden.