Beteilen nach Zeit

Eine zentrale Frage in jeder Gruppe oder Gemeinschaft ist, nach welchen Kriterien, Regeln und Prinzipien sich jedes Mitglied einbringen kann und was es davon hat. Da wir in der WiRschaft die Tradition der Dorfgemeinschaft neu beleben möchten, greifen wir die nach unserer Kenntnis älteste und bewährteste Sozialtechnik für die Grundversorgung, das Beteilen (kurz für Beteiligen & Teilen), neu auf, so dass eine Gemeinschaft ohne individuelle Verpflichtung entstehen kann.

Von den uns bekannten Sozialtechniken fürs Wirtschaften ist Beteilen strukturell die einzige gemeinschaftliche Beziehungsform. Dies macht die folgende Abbildung deutlich, die die Grundstruktur der vier Sozialtechniken Tauschen, Kaufen, Schenken und Beteilen zeigt. Tauschen, Kaufen und Schenken sind strukturell Zweierbeziehungen, da sie auf dem Prinzip der direkten Gegenseitigkeit beruhen.

Beim Beteilen tragen die beteiligten Personen in unterschiedlicher Art und in verschiedenem Maße zur Herstellung der Güter bei, die sie anschließend untereinander aufteilen. Diese Sozialtechnik praktizieren wir noch heute in Haushaltsgemeinschaften, wie Kernfamilien und Wohngemeinschaften. Die Regeln, nach denen beteilt wird, können sehr unterschiedlich sein. Dies soll im Folgenden am Beispiel des Tortenbackens in einer Kernfamilie, bestehend aus Mutter, Vater, Tochter und Sohn, illustriert werden.

Üblicherweise sind wir uns der Sozialtechnik des Beteilens nicht bewusst, sondern wenden sie einfach an. Je nach den beteiligten Menschen wird das Beteilen verschieden gehandhabt. Für unser Tortenbeispiel nehmen wir an, dass sich alle Familienmitglieder an der Herstellung in unterschiedlichem zeitlichen Umfang beteiligt haben:

Die Verteilung der fertiggestellten Torte kann höchst unterschiedlich erfolgen. Im besten Fall tauschen sich die Familienmitglieder über ihre Bedürfnisse hinsichtlich der Torte aus und verteilen die 16 Tortenstücke entsprechend. Im schlechtesten Fall entscheidet die Macht der einzelnen Familienmitglieder darüber, wer wie viele Tortenstücke bekommt. Das Verteilungsergebnis könnte in beiden Fällen folgendermaßen aussehen:

Eine andere Möglichkeit ist die Verteilung nach Köpfen:

Eine weitere Möglichkeit ist die Verteilung nach Beteiligungszeit:

Die letztgenannte Verteilungsart ist uns aus unserer Praxis in Familien- und Freundeskreisen unbekannt. In der WiRschaft ist diese neue Art der Ergebnisverteilung ein zentrales Prinzip. Denn im Unterschied zu Familie, Freundschaft und Haushaltsgemeinschaft, der ich entweder angehöre oder nicht angehöre, kann in der WiRschaft jede Person selbstbestimmt entscheiden, wie häufig und intensiv sie dabei sein möchte. Wichtig ist, dass mit dieser Verteilungsart ein Gerechtigkeitsprinzip realisiert wird, da es die Verteilung der Tätigkeitsergebnisse mit der Beteiligung an der Herstellung dieser Tätigkeitsergebnisse verknüpft. Dieses beteiligungszeitgerechte Beteilen ermöglicht individuelle Schuldfreiheit und somit Selbstbestimmung, da damit kein Individuum gegenüber einem anderen Individuum oder gegenüber der Gemeinschaft in Schuld kommen kann. Dadurch unterscheidet es sich nicht nur vom Kaufen und Tauschen, sondern auch von vielen traditionellen Formen des Beteilens.

Weiterführende Informationen zum Beteilen nach Zeit und die Skizze einer geldfreien, globalen Gesellschaft können folgendem PDF-Dokument entnommen werden:
Text: "Beteilen nach Zeit"

Wie beteilen wir praktisch? Folgender Film zeigt das Gesellschaftsspiel der WiRschaft.

Du willst das Spiel auch spielen, um diese neue bzw. alte Sozialtechnik auszuprobieren? Hier gibt es das Spielpaket bestehend aus Spielanleitung, Computer-Datei und Spielkarten.